Flummi jagt nicht – Flummi tötet!
12. Februar 2012
Aber leider kennt Flummi Chuck Norris nicht und daher klappt das nicht immer wie geplant!
Vorgestern Abend – wir sitzen gemütlich beim Fernsehen – ein Getöse auf dem Flur, ein aufgeregtes Herumgerenne, bis der Hausherr aufstand. Eine Maus, eine Maus im Gästezimmer! Nur wo? Katze Flummi wand sich hin und her und strich ständig geschmeidig vor dem Drahtregal von rechts nach links, von links nach rechts, ließ sich streicheln und war ganz euphorisch. Nun helft mir mal!
Ich Notfallausrüstung geholt in Form von Fliegenklatsche (kann man auch Mäuse mit verhauen), Gefrierbeutel und Taschenlampe. Dann hockten wir zu dritt vor dem Regal, bzw. lagen auf den Knien davor und spähten darunter und sahen irgendwann auch den Mauseschwanz dicht an der Wand, allerdings für Menschenhände, Katzenpfoten und Fliegenklatsche strategisch schlecht erreichbar. Vorsichtig begannen wir das Regal auszuräumen, Stück für Stück, die Zimmertür wurde zugemacht, den Weg verstellt, alles auf höchster Sicherheitsstufe. Dann war das Regal leer und die Maus war weg. Einfach so – in Luft aufgelöst! War nicht mehr aufzufinden, Flummi maunzte und raulte noch lange und beschnüffelte alle Ecken im Zimmer, bis wir Menschen heldenhaft beschlossen ins Bett zu gehen und uns gegenseitig versicherten, die Maus würde schon nicht zu uns ins Bett steigen. Mitternacht war lange vorbei.
Gestern Abend kamen wir nach Hause, wir waren eingeladen, es war auch gegen halb eins, da turnte Flummi höchst aufgeregt die Treppe herunter, begrüßte uns gurrend und flitzte sofort wieder nach oben und maunzte wieder. Wir also wieder hinterher und: die Maus, die Maus musste wieder aufgetaucht sein. Da schlich unsere Katze wieder ganz aufgeregt im Gästezimmer herum und warf sich auf den Rücken, das Regal (nachmittags durch mich eingeräumt) war inzwischen von Flummi wieder ausgeräumt worden, bis der Hausherr das kleine Schubladenschränkchen von der Wand abzog. Und da, endlich, die Maus! Ziemlich groß und auch ziemlich tot. Ich also den Gefrierbeutel entschlossen darüber gestülpt und Maus entsorgt, Flummi suchte weiter und hatte es nicht ganz verstanden. Ich verschloss unten noch schnell schnell die Katzenklappe, um für den Rest der Nacht Ruhe zu haben. Man hörte unser Fellbündel für eine Weile noch geschäftig die Treppe hoch- und runtersausen, plomplomplomplom, dann gab sie irgendwann auf und hüpfte aufs Fußende des Bettes, schnurrte ein paar Minuten vor sich hin und schlief dann ein.
Heute Morgen, sechs Uhr, der Schnurrwecker ging an, ein Kopfstüber und ich war wach. Treppe runter, Frühstück in Geschirr eingefüllt, Katze zufrieden fressend, ich machte die Katzenklappe nach draußen wieder auf und schlüpfte wieder ins Bett, schließlich war ja Sonntag. Zehn Minuten später hörte ich sie wieder die Treppe hinaufjagen und aufgeregt herumrennen und es knackte mehrfach. Ich dachte zuerst, dass eventuell die Tür zum Katzenklo versehentlich verschlossen war, stand auf um nachzusehen, aber nein, Klein-Flummi hatte flugs schon wieder eine Maus gefangen, sie aber bereits totgebissen und spielte nun hingebungsvoll auf dem Flur vor der Schlafzimmertür. Ich laut lobend wieder einen Gefrierbeutel geholt, Mausi eingetütet und hinausgebracht, Flummi bisschen verwirrt am Weitersuchen und dann hüpfte sie auch wieder aufs Fußende und schlief auch noch eine Runde.
“Du wolltest ja eine Katze!”….Stimmt, wir haben aber andererseits ja auch so viel Freude.
Wir werden jetzt eine katzensichere Mausefalle bauen, d.h. eine Kiste mit Einschlupfloch, darin eine Mausefalle so weit hinten anschrauben, dass die angelnden Fellarme von Flummi sich nicht in der Falle verfangen können, und die stellen wir mit Käse oder Speck auf. Falls doch mal so ein Mausilein hier abtaucht und zu uns ins Bett will.
Der Flümpu – eine Katzenliebe
1. Januar 2012
Der Flümpu
Wer ist der Flümpu? “Der Flümpu” ist “der Flummi” auf Schweizerdeutsch. Und der Flümpu ist eine Katze. Eine weibliche Katze!
Seit nunmehr einem halben Jahr begleitet uns die schönste Katze von der Welt auf unserem Lebensweg. Im Juli als Junior mit großen, staunenden Augen in unsere Familie gekommen, ist sie nun ein vollwertiges Familienmitglied mit eigenem Charakter, welches den Tagesablauf nicht unerheblich mit beeinflusst.
Früh gegen sechs wache ich auf, weil ein feuchtes Nasenspitzchen gegen meine Nase stüpft und ein erschreckend lauter Schnurrmotor direkt vor meinem Gesicht angeworfen wird. Zeit fürs Frühstück, meint Madame! Ich drehe mich auf die Seite, schiele zum Wecker, der zeigt noch nicht sechs Uhr, also geht Flümpus innere Uhr heute mal wieder etwas vor „Nein. Flummi, da musst du noch ein bisschen warten“, nuschele ich in mein Kissen und drehe mich wieder um. Der laute Motor schnurrt daraufhin ums Bett, unter dem Bett durch und dann ertönt ein lautes Krallenschärfen am Kratzbaum bei der Tür. Madame wollen Aufmerksamkeit und dass der blöde Mensch endlich aus dem Bett steigt. Der Mensch dreht sich wieder um. „Brrrrt“, ein 4 Kilo-Paket springt mit Anlauf auf meinen Brustkorb, flitzt über die Bettdecke weg auf die andere Bettseite, plumps, dort wieder auf den Boden und unters Bett. Was war das denn? An Schlaf nicht mehr zu denken. Aber ich versuche es trotzdem. Rumgedreht, die Augen demonstrativ geschlossen und deutlich ruhig atmend. „Brrrt“, ein neuer Sprung auf mein Kopfkissen. Das Gewicht der Katze lässt meinen Kopf in die Höhe schnellen, aus der Traum. Sie pirscht sich von hinten an meinen Kopf und beißt vorsichtig in die Haare und zieht leicht daran. Nun steh’ doch endlich auf! Schnurr, schnurr, schnurr.
Was kann man dagegen tun?
Gar nichts – außer Aufstehen!
Ich wanke die Treppe hinunter, die Katze überholt mich auf halber Treppe in einem polternden Galopp und erwartet mich hocherhobenen Schwanzes am Futternapf. Ach, ist der Futternapf lieb, und der Schrank daneben erstmal! Da wird sich gerieben und alles beschnurrt, dass es eine wahre Pracht ist. Und streicheln darf man sie – als ob es nichts anderes gäbe. Keine Pfotenhieb, wenn es ihr nicht passt, keine Krallen ausfahren, wenn man im Vorbeigehen mal schnell die Beine umpfoten kann, nein, alles voller Schnurrdiburrliebe!
Und endlich füllt der Mensch die Schüssel mit dem ersehnten Frühstück, laut schnurrend hockt sich der Flümpu davor und beginnt zu fressen.
Der Mensch schleicht wieder in sein Bett und schließt befriedigt die Augen für weitere 20 Minuten, bevor der Wecker endgültig klingelt!
Tiere werden nicht produziert
6. März 2011
Das Wort TIERPRODUKTION ist ekelerregend, denn wer sind wir, die andere Lebewesen produzieren? Produzieren, um sie dann zu fressen! Denn essen kann man zum Fleischkonsum, d.h. zum Billigfleisch-Konsum nicht mehr sagen. Nicht erst seit Karen Duve ihren Selbstversuch gemacht und einen Bestseller darüber geschrieben hat, ärgert mich der verantwortlungslose Umgang von uns Menschen mit Tieren.
Anfang des Jahres war das Maß voll: Dioxon in Fleisch und Eiern, die geldgeile Lebensmittelmafia hat keine Skrupel, Tiere und Menschen zu vergiften. Allerdings habe ich kürzlich gelesen, dass dieser Skandal anscheinend bei vielen Verbrauchern schon wieder in Vergessenheit geraten ist: der Absatz von Eiern und Fleisch ist bereits fast wieder auf früherem Niveau! Das ist doch sehr erstaunlich, was in unseren anscheinend vergifteten Köpfen so vor sich geht oder eben nicht vor sich geht.
Was kann jeder Einzelne unternehmen, wenn er nicht so radikal wie Frau Duve handeln möchte? Ich stehe auf dem Standpunkt, wenn jeder nur etwas tut, entwickelt sich auch eine Dynamik und beeinflusst vielleicht die Familie, die Nachbarn, die Freunde. Und die haben auch wieder Familie, Nachbarn und Freunde! Man muss nur einfach anfangen.
Geht ganz einfach! Seit Januar haben meine Familie und ich es ohne Entbehrungen geschafft, unsere Ernährung und damit unser Kaufverhalten umzustellen. Wir haben unsere Gemüseküche erweitert und einen Fleischer gefunden, der hervorragendes Hühnerfleisch liefert von Geflügel, welches nicht als Turbomastfleisch dahinvegetieren muss. Nicht ein einziges Mal kamen wir vor der Fleischtheke im Discounter in Versuchung zuzugreifen.
Wir haben aber nach diesen Wochen gar keinen Appetit mehr, Schweinefleisch zu essen. Ein einmaliger Versuch vor Kurzem hat uns bestätigt, dass dies nicht mehr sein muss! Werden wir also im Sommer kreativ sein, wenn wir die Grillsaison eröffnen.
Fleisch kommt fast nur noch am Wochenende auf den Tisch und die Bio-Wurst reicht auch viel länger, weil man sich automatisch Alternativen sucht. Alles in Allem kaufen wir besser, aber tatsächlich auch viel günstiger ein!
Meine einstmals Fleisch liebenden Männer (“Ein Mann – ein Steak”) sind kreativ geworden, es gibt nun viele Currygemüse auf indische Art, ich bevorzuge Wokgerichte, auch simple Spaghetti mit selbergemachter Tomatensoße können mit hervorragendem Parmesan ein Gedicht sein – es muss auch nicht jeder zum Müslifreak mutieren und seine Umgebung missionieren.
Mittlerweile sind wir einen Schritt weiter und kaufen auch nur noch Biogemüse! Hier auf dem Land gibt es einen Biobauern, der mit einem Verkaufswagen die Dörfer und Gemeinden abklappert und alles dabei hat, was das Ökoherz erfreut: Gemüse, Obst, Brot, Tofu, Getreide, Marmeladen usw. Auch die alten Gemüsesorten wie Pastinaken haben wir probiert und für gut befunden. Schmeckt und macht satt!
Wenn Sie sich erkundigen wollen, ob der Biobauer auch bei Ihnen vorbeikommt, oder den rollenden Shop mal im Bild ansehen möchten:
Naturkostparadies Eschenhof, www.naturkost-eschenhof.de
Für alle, die westlich außerhalb der Großstadt Hamburg leben, ist so ein Service großartig! Erinnert sehr an die Tante Emma-Läden oder auch an den Milchmann, der früher die Kannen oder Glasflaschen noch gebracht hat. Und es fährt nur noch ein Auto und kommt zu den Käufern – anstatt zig Autos zu dem Verkäufer fahren. Gar nicht dumm – so schont man auch noch die CO 2 -Bilanz!
Und so kommen wir doch wieder zum Müsli, das der Wagen auch anbietet: auf der Inhaltsstoffliste steht kein Zucker an erster Stelle, wie in den Industriemüslis aus dem Supermarkt, sondern es ist kein Zucker enthalten oder sehr wenig Rohrzucker beigefügt.
Schweizer Rezept für Bircher Müesli
In einer Schüssel das Müesli mit Fruchtsaft übergießen, so dass obenauf ein Flüssigkeitsspiegel steht. Einige Stunden oder über Nacht einweichen lassen. Dann kleingeschnippeltes Obst dazugeben und noch ein Joghurt drunterheben – traumhaft! Als Dessert oder Alleinessen an einem Sommertag – und der Sommer kommt bestimmt!
Telefonstörung
23. Januar 2011
Wie hat man früher eigentlich überlebt – früher, so ohne Handy?
So sehr ist man ans mobile Telefonieren gewöhnt, dass man aus den Augen verloren hat, es ging ja mal ohne.
Die Telekom hatte kürzlich in unserer Gegend Leitungsprobleme durch Feuchtigkeit, wir konnten weder telefonieren noch Telefonate empfangen, auch das Internet brach ständig zusammen.
Was macht man heute: eine Anrufweiterleitung aufs Handy schalten lassen, damit die Telefonate doch angenommen werden können und einen mobilen Internetstick aktivieren, damit man auch online weiterhin erreichbar bleibt. In früheren Zeiten wäre man einfach weg vom Fenster gewesen – die Störung hat über eine Woche gedauert! Undenkbar für Selbständige, die auf Telekommunikation jeglicher Art angewiesen sind, auch die Jugend wäre komplett aufgeschmissen, die sich ja heute hauptsächlich virtuell connected und sich nicht einfach so „in echt“ trifft.
Früher kamen jedoch die Reparaturtrupps schneller, da hatte man noch mehr manpower und war sicher nicht derartig lange von der Welt abgeschnitten gewesen.
Heute vertraut die Telekom darauf, dass der Kunde mindestens irgendwie anders erreichbar ist und nutzt die funktionierenden Dienste der Mitbewerber ganz ungeniert, um die eigene Störung zu überbrücken.
Nun blieb also das Handy während der Zeit als anvisiertes Ersatztelefon zu Hause und ich überlebte außerhalb trotzdem. Im Gegenteil, die Zeiten wurden weniger stressig, weil man einfach unterwegs nicht erreichbar war. Man konnte ungeniert in Läden stöbern, musste sich keine Gedanken machen, ob man im Kino die Aus-Taste gedrückt hatte, tauchte überraschend aus dem Nirvana überall auf und keiner konnte vorher am Telefon sagen, er hätte keine Zeit, ich solle zu Hause bleiben.
Bestimmt habe ich auch die ein oder andere Ladeeinheit gespart und auch Nerven. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Gar nicht so übel und back to the roots – überlege sehr, in Zukunft weniger mobil erreichbar zu sein….
Engel – die unbekannten Wesen
20. November 2010
Sind Engel Geflügel ?
oder
Legen Engel Eier?
Das eine würde das andere ja zwingend voraussetzen!
…gesehen auf zwei T-Shirts bei nix gut…
Wie fragte mein Sohn doch, als er 4 Jahre alt war? “Wenn ich ein Ei gewesen wäre, hätte mich dann Papa auch ausgebrütet?” – Ich weiß nur, mein Sohn war ein kleiner Engel. Damals.
Postsparbuch, die sichere Geldanlage!
20. November 2010
Da habe ich doch beim Aufräumen ein altes Postsparbuch gefunden aus den 80er Jahren. Sogar noch ein Guthaben von 5 DM drauf, wie erfreulich! Irgendwie kommt mir gleich ein Gedanke in den Sinn: Wenn man ein paar Mark 20 Jahre stehen lässt, entwickelt sich durch Zins und Zinseszins ein ordentliches Guthaben. So hat man uns jedenfalls als Kindern versucht, das Sparen schmackhaft zu machen. Sollte hier also ein Vermögen lauern, von dem ich nichts wusste?
Also bin ich an einem der nächsten Tage zur Postfiliale aufgebrochen und habe stolz am Schalter das Sparbuch rausgeholt. Kommentar der freundlichen Dame hinter dem Tresen: “Ach Gott, was ist das denn?” “Ein Sparbuch”, verkünde ich stolz. “Ja, das schon, aber ein seeehr altes!” “Ja, das habe ich auch beim Aufräumen gefunden und wollte es nun auflösen.” “Das ist gar nicht so einfach, das muss ich erst zur Zentrale einschicken, die alten Bücher werden ja hier nicht mehr geführt.” Nun gut, das macht mir auch nichts weiter aus, bisher habe ich von dem verborgenen Schatz sowieso nichts geahnt, da kommt es auf ein paar Tage nicht drauf an. Ich unterschreibe ein paar Formulare, die freundliche Dame lichtet meinen Personalausweis mit ab, dann ist der Antrag fertig.
Wochen später kommt Post von der Post! Hach, endlich, ich reiße den Brief auf und….denke, ich verlese mich:
Das geringfügige Guthaben verrechnet sich mit der Bearbeitungsgebühr, es werden nur Guthaben über 12 Euro berücksichtigt! D.h. ich bekomme gar nichts.
Das ist doch erstaunlich! Im Zeitalter des Computers, wo kein Mensch mehr zu Fuß die Zinsen und Zinseszinsen ausrechnen muss, sondern per Knopfdruck herausfindet, werden die Bearbeitungsgebühren so hoch angesetzt und meine 5 Mark + Ertrag einfach einkassiert.
Das ist eine Frechheit.
Man sollte doch mal versuchen herauszufinden, wieviele dieser Kleinbeträge einfach von der Post konfisziert werden! Wenn von den 80 Millionen Bundesbürgern nur ein Bruchteil beim Aufräumen alte Sparbücher findet oder im Nachlass von Verstorbenen solche “Schätze” auftauchen – wieviele Euro insgesamt mag das zugunsten der Post wohl ausmachen?
Ich finde das völlig unkorrekt!
Wie hieß es doch früher: Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert! Ich werde mir ein anderes Geldinstitut suchen, dem ich mein Geld anvertraue!
Herbstspaziergang zum Lüheanleger
16. November 2010
Start ist beim Fährhaus Kirschenland in Jork/Wisch – den Deich hoch und auf der anderen Seite wieder runter. Den Weg teilt man sich bei schönem Wetter mit gefühlten Millionen von Joggern, Fahrradfahrern, Familien mit Kindern und Hundeliebhabern nebst Hunden. Trotzdem finden sich Fotomotive fernab von jedem Trubel:
Zwölf Bilder, für jeden Monat eins…
und auf einem fliegt sogar Jonathan durchs Bild.
Bayern-Feeling auf dem Tisch
16. November 2010
Was macht man, um sich das Urlaubsfeeling nach Hause zu holen?
Man oder frau kocht! Die Inspiration ergibt sich im Supermarkt:
Statt französischer “Jakobsmuscheln auf Bandnudeln” oder eventuell auch “Steinpilzmousse an Gratin dauphinois” finde ich die
“Bayerische Woche” mit frischen Schweinshaxen und Knödeln.
Das kaufe ich und hoffe, dass ich ein einigermaßen passendes Rezept für meine eingekauften Zutaten finde. Internet hochgefahren, gesucht und gefunden auf kochbar.de und losgelegt:
Alle Gemüsereste zusammengesucht, kleingeschnippelt und in reichlich Salzwasser zum Kochen gebracht:
Die 3 Schweinshaxen werden gewaschen und dann in die kochende Brühe eingelegt und für 1,5 h geköchelt.
In der Zwischenzeit bereite ich die Knödel vor, indem ich fertigen Kloßteig verwende, denn ich bin kein Bayer, sondern Norddeutsche und habe damit nix am Hut!
Aber zumindest brate ich Weißbrotwürfel schön in Butter an, forme den Kloßteig später um sie herum und voilà:
Etwas ungleichmäßig in der Form und der Größe – aber sie haben Ähnlichkeit mit dem gewollten Ergebnis!
Nach den 1,5 h Haxenkochzeit hole ich diese aus der Brühe und schneide die Schwarte rautenförmig ein
und lege sie in den vorgeheizten Backofen (Ober- und Unterhitze, 220°) in der Mitte auf den Grillrost. Die daruntergeschobene Saftpfanne habe ich mit Wasser gefüllt, damit das Fett nicht einbrennt und auch der Wasserdampf beim Garen mithilft.
Nun heißt es wieder 1.5 h warten, in dieser Zeit kann man prima die Küche aufräumen, Fotos machen, später die Klöße in kochendes Salzwasser legen und ca. 20 Minuten garziehen lassen (wenn sie oben schwimmen, sind sie gar) und noch einen Salat zubereiten.
Da ich es versäumte, Sauerkraut oder etwas ähnlich Stilechtes dazu einzukaufen, entschloss ich mich, wenigstens einen frischen Salat zuzubereiten. Die Marinade (Essig, Salz, Prise Zucker, Pfeffer, Senf, Mayonnaise, Olivenöl) wird extra dazu gereicht, damit in der langen Wartezeit die Blätter nicht zusammenfallen.
Endlich klingelt die Uhr und die Haxen sind fertig:
WOW !
Das Gesamtergebnis kann sich sehen lassen und schmeckte hervorragend!
Fazit:
Auch ein Norddeutscher kann völlig unbeschwert ein bayerisches Küchenhighlight zubereiten. Zu diesem Gericht fehlte mir nur eine Bratensoße, die sich leider zu keinem Zeitpunkt irgendwo bildete. Denkbar wäre, etwas von der Gemüsebrühe zu reduzieren und zu pürieren, so dass sich eine dünne Soße ergibt. Zu den Klößen gehört einfach Soße!
Guten Appetit!
À la Carte
14. November 2010
Jochen ist 76 und lebt allein. Er bewohnt ein großes Haus, das unter Denkmalschutz steht und das er sich eigentlich nicht leisten kann. Aber er hat den Luxus “Platz haben” gewählt und akzeptiert so einige Einschränkungen. Jedesmal habe ich ihn zufälligerweise im November besucht und jedesmal war es lausig kalt.
“Komm’ doch rein, hier ist geheizt”, freut er sich, als er mich einlässt, und öffnet die Wohnzimmertür. Der Rest des Hauses, bis auf sein Badezimmer, ist wie in jedem Jahr im Winter eine Kühlkammer. Kalt, dunkel und ungemütlich. Das riesige Wohnzimmer dagegen ist urgemütlich, die Bücher stapeln sich auf Tischen, auf der Ledercouch liegen Lammfelle, etliche Zeitungen schwirren auf dem Fußboden herum und ein großer Esstisch steht in der einen Zimmerhälfte, zwei benutzte Teetassen auf der Tischdecke zeugen von einem kürzlich dagewesenen Gast. Ich frage nicht, geht mich ja nichts an.
“Du isst doch sicher mit mir?” fragt mich Jochen später und eilt mir voraus in die dunkle, kalte Küche. Wie ein Schlafwandler – sehen kann man in der Finsternis fast nichts – zieht er Schubladen auf, holt was hinter einem Vorhang raus und fängt an, allerlei zusammenzuschnippeln. “Magst Du Tofu?” erkundigt er sich. “Ich denke schon”, erwidere ich, denn ich habe erst einmal Tofu gegessen und erinnere mich nicht an irgendeinen Eigengeschmack. Dafür erinnere ich mich an frühere Kochexperimente seitens Jochen, die dazu führten, dass ich Algensuppe mit Hefeflocken, Hirsebrei mit Kardamom und ähnlich Exotisches zum ersten Mal aß.
“Ich entscheide immer erst beim Kochen, was ich mache, denn wenn ich ein festes Essen kochen würde, hätte ich nicht alle Zutaten da”. Klingt irgendwie logisch – aus seiner Sicht. Er zerteilt Tofu in kleine Würfel, säbelt von einer Mango Stücke runter und wäscht Sprossen unter dem Wasserhahn. Dann füllt er Reis in einen Kochtopf, gießt Wasser dazu, bis es daumenbreit darübersteht, würzt alles mit einem Puder, der irgendwie aus Bockshornklee gewonnen wird (“Das in frischem Quark – da könnte ich mich reinsetzen!” ) und mit zerstoßenem Kardamom, augenscheinlich ein Lieblingsgewürz. Das Ganze erhitzt er zusammen auf dem Gasherd auf höchster Stufe, stellt dann irgendwann die Flamme aus und trägt den Topf ins Wohnzimmer, umwickelt ihn dort auf dem Sofa mit mehreren Decken, damit er warm bleibt, bis das andere Essen fertig wird.
Das Abenteuer in der Küche geht weiter: gekochte Rote Beete in Würfeln wird mit ebensolchen aus Äpfeln vermengt, dazu kommt ordentlich frischer, zerdrückter Knoblauch und ein Dressing aus Essig, Olivenöl und Gewürzen dazu. Sesamkrümel runden das Ganze ab. Das ist der Salat.
Zum Reis plant er ein Pfannengericht aus Tofu, Mango und Sprossen, doch zuerst müssen wir noch eine Suppe essen, die bereits in einem Topf ist -”Gab es gestern”- und nur noch aufgewärmt wird. Am Tisch stochere ich zuerst etwas vorsichtig in der Suppe herum, ich erkenne mehrere Gemüsestücke, aber auch etliches, was ich nicht zuordnen kann – vielleicht wieder Algen? Dann schiebe ich kurzentschlossen einen Löffel in den Mund und schlucke tapfer runter – und es schmeckt. Hinterher erzählt Jochen mir, dass er da auch noch das Essen von vorgestern reingeschüttet hätte, irgendwas mit Schweinefleisch, aber da ist die Suppe schon unten und wärmt meinen Bauch.
Dann kommt der Hauptgang und das sieht hervorragend aus und schmeckt auch so: ich häufe den Rote Beete-Salat und das Tofugericht auf meinen Teller und lasse es mir schmecken. Das werde ich unbedingt nachkochen – aber so werde ich es sicher gar nicht hinkriegen, denn da gehört einfach Jochens Genialität dazu, so etwas zu kreieren.
Nach dem Essen gibt’s noch einen Kaffee, der auch geschirrsparend zubereitet wird: Pulverkaffee wird in die Tassen gehäufelt und mit kochendem Wasser überbrüht. Nach einer Wartezeit pustet man oben auf den Kaffee drauf, dadurch sollen die Krümel alle nach unten sinken, dann ist der Trinkgenuss fertig. Milch oder Zucker wirbeln alles wieder auf, also trinkt man den Kaffe schlicht und einfach pur.
Gott sei Dank lehnt Jochen meine spätere Mithilfe in der Küche ab und sagt: “Lass man, das mache ich gemütlich, wenn Du wieder wegbist, schließlich habe ich Zeit. ” Darüber bin ich froh, denn die hygienischen Gegebenheiten in dem Männerhaushalt sind doch etwas gewöhnungsbedürftig. Während des Schnippelns des Tofus und auch der Roten Beete fielen z.B. einige Stückchen zu Boden, die Jochen mit der Bemerkung auflas “Bei mir kann man vom Fußboden essen” und sie wieder in die jeweilige Schüssel warf. Ich schwöre, das Essen war trotzdem wunderbar.
Auf dem Heimweg fällt mir auf, dass wir gar keinen Reis gegessen haben. Augenscheinlich hat keiner von uns mehr an den eingewickelten Topf gedacht, der vielleicht bis heute noch in den Decken auf dem Sofa verborgen ist…































